Die Digitalisierung ist längst ein Muss für Handwerksbetriebe. Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) hat kürzlich einen Leitfaden zur Digitalisierung veröffentlicht, der SHK‑Betrieben hilft, Software erfolgreich zu integrieren. Dabei geht es nicht nur um technische Aspekte, sondern vor allem um die Akzeptanz der Mitarbeiter und die Optimierung von Geschäftsprozessen. Wir zeigen, wie Betriebe diese wichtigen Schritte umsetzen können.
Die Fakten – ZVSHK‑Praxisleitfaden im Detail
Der ZVSHK hat im Januar 2026 einen neuen Praxisleitfaden zur nachhaltigen Software‑Einführung im Handwerk veröffentlicht. Dieser Leitfaden zur Digitalisierung ist Teil der Initiative „Neue Qualität der Arbeit (INQA)“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und wurde gemeinsam mit Expert:innen aus Forschung und Praxis erstellt.
Der Leitfaden geht bewusst über rein technische Fragen hinaus und stellt die Menschen im Betrieb – Beschäftigte, Fachkräfte und Führungskräfte – in den Mittelpunkt. Denn: Softwareprojekte scheitern im Handwerk oft nicht an der Software an sich, sondern an mangelnder Akzeptanz, fehlender Beteiligung oder unklarer Kommunikation.
Kernbestandteil:
✅ 12 Erfolgsfaktoren zur Einführung (z. B. Beteiligung der Mitarbeitenden, klare Zieldefinition, Schulung, Kommunikation, Führungskultur)
✅ Zu jedem Erfolgsfaktor praxisnahe Lernvideos, die über QR‑Codes direkt abrufbar sind
✅ Schritt‑für‑Schritt‑Bausteine für Handwerksbetriebe, die Digitalisierung methodisch angehen wollen
Der Leitfaden richtet sich an kleine und mittlere Betriebe im SHK‑Handwerk und ist kostenfrei verfügbar sowie barrierefrei zugänglich.
Was bedeutet das für SHK‑Betriebe?
Für SHK‑Betriebe ist der Leitfaden zur Digitalisierung ein praxisorientiertes Werkzeug, das eine strukturierte Vorgehensweise bei der Einführung von Software bietet. Statt einfach nur ein neues Tool einzuführen, werden Betriebe angeleitet, Organisation, Personal und Prozesse gleichzeitig zu berücksichtigen – denn nur so gelingt die Digitalisierung nachhaltig.
Typische Herausforderungen im SHK‑Alltag:
- Unterschiedliche Technik‑Affinität der Mitarbeitenden (Büro vs. Monteure)
- Angst vor Mehraufwand oder Kontrollverlust bei neuen digitalen Prozessen
- Kommunikationslücken zwischen Büro und Baustelle
Der Leitfaden schlägt dazu konkrete Maßnahmen vor, z. B.:
✔ Beteiligung aller relevanten Mitarbeitenden früh im Projekt
✔ Klare Zieldefinition mit messbaren Ergebnissen
✔ Schulungs‑ und Trainingsmodule, die Sicherheit und Kompetenz schaffen
✔ Regelmäßige Feedback‑Schleifen und Anpassungen im Projektverlauf
12 Erfolgsfaktoren konkret nutzen
1) Klare Zielsetzung & Nutzenkommunikation
Definieren Sie konkrete Ziele für den Software-Einsatz und kommunizieren Sie diese im gesamten Team. Machen Sie den Nutzen der Software deutlich, damit alle verstehen, warum die Umstellung notwendig ist.
2) Beteiligung der Mitarbeitenden
Binden Sie alle Mitarbeitenden von Beginn an ein, um Widerstände zu vermeiden. Ihre Erfahrungen und Vorschläge sind wertvoll für die Softwareauswahl und den Implementierungsprozess.
3) Führung & Change‑Management
Gute Führung ist entscheidend. Erklären Sie den Wandel transparent, fördern Sie die Akzeptanz und stellen Sie klare Verantwortlichkeiten für den Übergang sicher.
4) Schulung & Lernvideos
Nutzen Sie Schulungen und die Lernvideos, die im Leitfaden angeboten werden. Damit können Sie den Mitarbeitenden die notwendigen Kenntnisse vermitteln und die Akzeptanz fördern.
5) Feedback‑Schleifen etablieren
Implementieren Sie regelmäßige Feedback‑Schleifen. Holen Sie sich kontinuierlich Rückmeldungen aus dem Team und passen Sie die Einführung schrittweise an.
6) Realistische Zeitplanung
Vermeiden Sie überzogene Zeitrahmen. Planen Sie realistische Meilensteine und lassen Sie genügend Zeit für die Einarbeitung der Mitarbeitenden.
7) Technische Integration sicherstellen
Die Software muss sich nahtlos in die bestehenden Prozesse und Systeme integrieren lassen. Achten Sie auf eine einfach Integration in die bestehenden Tools, wie z. B. Rechnungsprogramme oder Kundenportale.
8) Vermeidung von Überforderung
Vermeiden Sie es, Ihre Mitarbeitenden mit zu vielen Funktionen auf einmal zu konfrontieren. Führen Sie die Software schrittweise ein, damit niemand überfordert wird.
9) Mitarbeiter als Multiplikatoren
Identifizieren Sie IT-affine Mitarbeitende, die als Multiplikatoren für den gesamten Betrieb fungieren und ihre Kolleg:innen unterstützen können.
10) Unterstützung durch Experten
Holen Sie sich bei Bedarf Experten zurate, die Sie bei der Softwareeinführung begleiten und Ihre Mitarbeitenden optimal schulen.
11) Kontrolle und Anpassung
Verlassen Sie sich nicht nur auf die Einführung der Software. Kontrollieren Sie regelmäßig, ob alle Funktionen ordnungsgemäß genutzt werden und passen Sie gegebenenfalls Prozesse an.
12) Nachhaltigkeit der Einführung
Die Einführung von Software sollte nachhaltig erfolgen. Schaffen Sie eine dynamische Lernumgebung, in der kontinuierliche Schulungen und Updates stattfinden.
Digitale Initiativen für SHK‑Betriebe
In Hannover bieten sowohl die Handwerkskammer als auch lokale Beratungsdienste Schulungen zur digitalen Transformation im Handwerk an. Es gibt auch spezielle Förderprogramme zur Unterstützung der Digitalisierung in regionalen SHK‑Betrieben. Die Region Hannover fördert speziell kleine und mittelständische Unternehmen bei der Einführung von Digitalisierungslösungen.
Fazit
Die Einführung von Software im Handwerk ist nicht nur eine technische Aufgabe, sondern auch ein organisatorischer Prozess, der Mitarbeiter und Betriebsabläufe einbezieht. Der ZVSHK‑Praxisleitfaden zeigt, wie Handwerksbetriebe den digitalen Wandel nachhaltig umsetzen können.